Ein Galeriegespräch mit Arun Khau Ny Monsun-Erinnerung, Sandsteinlicht

Zwischen der Erinnerung an den Monsun und dem Licht des Sandsteins verwebt Eurasien zwei Kontinente zu einer einzigen Stimme. In den von Sorgfalt und der Beständigkeit Angkors geprägten, strukturierten Oberflächen lädt uns Arun Khau Ny ein, über das Sichtbare hinauszublicken – hin zu dem, was spürbar bleibt.
Teil I – Zwei Kontinente, ein Puls
Lange bevor ein Wandtext erscheint, wirkt Arun Khau Nys Werk auf den Körper: Texturen, die entschleunigen, Licht, das den Raum weicher macht, der Fingerabdruck der Zeit, der sich in die Oberfläche eingeprägt hat. Von eurasischer Herkunft – ihr Vater stammt aus Kambodscha, ihre Mutter aus Frankreich – wuchs sie zwischen Museen und Ateliers auf, wo das Schaffen eine Denkweise prägte. Ihr Ausstellungstitel „ Eurasien“ ist weniger eine Landkarte als vielmehr eine Essenz: Zwei Kulturen, die so eng miteinander verwoben sind, dass sie zu einem einzigen Klang verschmelzen.
Sie lädt uns ein, wie Henri Mouhot in Angkor – neugierig, gelassen, staunend – auf Entdeckungsreise zu gehen. Exotismus zu vermeiden bedeutet, sich der Geschichte ohne Schnörkel zu stellen: eine schwierige Vergangenheit aufzuarbeiten, eine von den Roten Khmer gezeichnete Familie zu ehren und sich zu weigern, Symbole zu bloßer Dekoration zu degradieren. Es bedeutet auch eine Praxis, die eng mit der Pflegearbeit in einem Krankenhaus verbunden ist, wo Zuhören die Hand formt und Kunst als universeller Träger von Emotionen dient.
„Am Anfang ist alles. Alles, was ich gesehen, getan, gedacht, gefühlt, mir vorgestellt habe – und alles, was in mir unausgesprochen bleibt.“
Für Arun bringt die Kunst die innere Welt zum Schweigen, damit die äußere wahrgenommen werden kann – und sie bringt die äußere Welt zum Schweigen, damit die innere sprechen kann.
Teil II – Stein, Faser, Regen: Wie das Werk entsteht
Die Zeit ist in diesen Gemälden sichtbar. Strukturierte Werke beginnen mit einem architektonischen Rahmen: Wird die Vegetation allgegenwärtig sein – üppig wie in der Kindheit? Sie setzt die Komposition wie ein Puzzle zusammen – Hintergrund, Laubwerk, Relief –, formt dann Blöcke und Flachreliefs, fügt kleine skulpturale Elemente ineinander und verfeinert die Oberfläche mit feinen Details. Ein Werk ist vollendet, wenn es seinen reduziertesten Ausdruck erreicht hat, ob es nun die Sprache früher Eindrücke oder eine zeitgenössische Bildsprache spricht.
Materialien tragen Erinnerungen in sich: Mineralpasten mit Sand für das Gewicht; Zellulose für skulpturale Formen; Metall und Harz für Festigkeit; Pflanzenfasern für Atmungsaktivität. Sandstein wird zum Bezugspunkt – seine Härte erinnert an die Beständigkeit der Tempel. Doch nicht jeder Weg führt in der Illustration zurück. Durch ihre Arbeit im Krankenhauswesen, wo lange, komplexe Bauten Patienten abschrecken konnten, entwickelte sich eine natürliche Hinwendung zu klaren, modernen Oberflächen. Symbole und schlichtere Formen erwiesen sich als zugänglicher. „Ist Kreativität nicht genau das, was kompliziert ist?“, fragt sie. In ihren Händen wird Abstraktion zur Erlaubnis – für jeden Betrachter, das Werk mit seiner eigenen Geschichte zu vervollständigen.
Teil III – Meilensteine, das Leben mit dem Werk und was als Nächstes kommt
Drei Wegweiser markieren das Terrain. Dissonanz nutzt den Eisberg als Metapher: die sichtbare Spitze als Symptom, die verborgene Masse als Ursache – ein Porträt des Menschen in seiner ganzen Komplexität. „Vergrabene Erinnerung“ (Souvenir enfoui) platziert ein kleines architektonisches Überbleibsel in üppigem Grün: Ruinen, die als Weg zum Wiederaufbau wieder auftauchen; hier symbolisiert Grün Heilung. Als Zugang zu ihrem Universum verweist Arun auf „Der Schamane und die Welt der Geister“ , eine Schwelle, an der Führung und Intuition im selben Atemzug zusammenwirken. Titel entstehen erst, nachdem das Gemälde gesprochen hat.
Für Sammler ist der Lebensraum entscheidend. Die Khmer-inspirierten Werke harmonieren wunderbar mit lebenden Pflanzen und sanftem Licht, das für eine angenehme, nicht blendende Wirkung sorgt. Die moderneren Stücke entfalten ihr volles Potenzial in ruhigen Räumen, in denen Stille spürbar ist. Der wichtigste Rat ist stets einfach: Machen Sie das Werk zu Ihrem eigenen und lassen Sie es wirken.
Vor ihr liegen großformatige Werke mit detailreichen Basreliefs – und ebenso die zeitgenössische Linie, die untrennbar mit ihrer Identität verbunden ist. „Das eine gibt es nicht ohne das andere“, sagt sie. Kunst geht über das Denken hinaus; sie durchbricht innere Mauern und dringt zum Verborgenen vor. Egal, welchen Rahmen sie wählt, wenn er ihr zu eng erscheint, überschreitet sie ihn – um aufzublühen, um staunend das Unbekannte zu betrachten. Ihre Vision zu teilen, sodass sie in anderen ein Echo weckt, ist ein Ziel an sich. Jedes Kapitel, das sie „inszeniert“, bringt sie ihrem Selbst näher und vertieft die Verbindung zwischen Künstlerin und Publikum – eine Verbindung, die im besten Fall beide heilen kann.
